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2013 kaufte ich ein Bild von Forster Herchenbach, als einer der ersten, wie ich es heute fast mit ein wenig stolz bemerken darf. Bei der Begegnung mit dem Bild im Rahmen einer Ausstellung in Berlin-Neukölln entstand eine Bindung auf den ersten Blick: Die Farbgebung, die Formensprache, Expression und Impression: einfach alles an diesem Bild stimmt. Ich ging in das Atelier des Künstlers, um seine Werke zu betrachten, meine Wahl änderte das freilich nicht. Aber es schuf eine bleibende Bindung zur Kunst und zum Künstler und einen Einblick in das Schaffen Forster Herchenbachs. […] 

In Forster Herchenbachs Bildern vereinen sich viele Gegensätze: Farben und Strukturen werden ungeordnet, ja wild kombiniert. Das scheinbar unausweichliche Chaos aber bleibt aus. Keine Spur von Gewalt, Hektik oder Chaos, im Gegenteil: es entsteht eine wohltuende Ruhe. Wie kann das sein? Die sichtbare geordnete Schichtung der verwendeten Farben und Strukturen bricht das scheinbare Paradoxon in vielen Werken Forster Herchenbachs wider auf. Die Bilder entwickeln in ihrer Größe und farblichen Gestaltung eine gewaltige Präsenz. Durch schiere farbliche Vielschichtigkeit entsteht Energie: sie zieht den Blick des Betrachtenden an und führt immer wieder zu neuen Entdeckungen. 

Forster Herchenbachs Bilder entstehen in seinem Atelier in Berlin, als work in progress: mal in langen Arbeitsphasen, mal en passant, fügt der Künstler seine Werke zusammen, bis „das Gefühl sagt, jetzt ist es perfekt“. Wie ein Musiker, der seinem Song immer neue Komponenten hinzufügt. Punkt und Kontrapunkt werden bewusst gesetzt. Aber: Improvisation als stilbildendes Element spielen für den Schlagzeuger Forster Herchenbach eine entscheidende Rolle: die Dynamik seiner Bilder entsteht im Puls des Lebens. Hier findet sich Forsters improvisatives Gegenüber – das umtriebige Berlin, die Partys auf Dächern, das politisch-gesellschaftlich-kulturelle Engagement auf der einen Seite, die Beschaulichkeit des heimatlichen Schwarzwalds auf der anderen Seite bilden den Gegensatz von Chaos und Ordnung. Und genau darin liegt die Schönheit im Werk des Forster Herchenbachs. 

© Nabil Atassi – Journalist, Moderator